Wallfahrtsbildchen

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Viele Wallfahrtsbildchen sind leider nicht erhalten geblieben. Die kostbaren und vielen Votivalien aus Silber von denen Schierghofer (Heimatforscher) berichtet, sind verschwunden, so haben die wenigen noch vorhandenen 6 Abbildungen der Madonna aus früheren Zeiten einen ganz besonders hohen Stellenwert für den Verehrerkreis. 

 

Erste Abbildung

Dr. Georg Schierghofer schrieb 1921 in den Chiemgaublättern:

„Alte Wallfahrtsbildchen, die die Gottesackerkirche mit der darüber schwebenden Muttergottes darstellen und die heute noch dort abgesetzten Votivalien verleihen der Gottesackerkirche auch nach dieser Seite hin Wallfahrtscharakter.“ 

 

Madonna über der Gottesackerkirche schwebend, Wallfahrtsbild vor 1824

 

Die Initialen H. K. ganz unten im Wallfahrtsbildchen deuten auf Hans Kaufmann hin, von dem es im Stadtarchiv verschiedene Bildmontagen gibt. Er kreiierte aus alten Darstellungen durch Hinzufügen eigener Motive neue Bildchen, so auch das oben abgebildete Wallfahrtsmotiv: Denn ganz klar ist, dass eine Madonna (oder anderer Heiliger), die über einer Kirche schwebend dargestellt wird, immer auf eine Wallfahrtskirche bzw. auf ein Gnadenbild hinweist. Das Ursprungsbild (Kupferstich? Lithografie? Holzstich?) zeigt unsere Madonna aus der Zeit von vor 1823/24, denn bis dahin besaß das Kirchlein St. Georg und Katharina noch ein Zwiebeltürmchen. Die Jahreszahl "1704" auf dem Sockel auf welchem die Madonna steht, weist auf das Jahr jenes denkwürdigen Stadtbrandes hin, den das Gnadenbild nahezu unversehrt überstand, und die Jahreszahl "1915" rechts oben ist mit ziemlicher Sicherheit das Entstehungsjahr der gesamten Darstellung von Hans Kaufmann. Die Webmasterin entdeckte das Wallfahrtsbildchen Mitte Februar 2012 im Stadtarchiv.

Beide dargestellten Krönchen sind verschollen, auch Kleid und Mantel sind unbekannt. Den Rosenkranz sieht man hier am rechten Arm der Madonna (1916 links und mit Skapulier), das Kind mit eigenem Mäntelchen, der Weltkugel in der Linken, statt in der Rechten (sh. 1916). Auffallend ist der abweichende Gesichtsausdruck von Mutter und Kind von den späteren Barock-Köpfen. Sehen wir hier also die Originalköpfe aus der Hochgotik?!

Vor der Kirchentür eine Madonna auf der Säule (Patrona Bavariae wie in München?) oder vll. ein Marienbrunnen? Unseres Wissens nach ist dies die einzige Darstellung des Gottesackers mit Mariensäule bzw. Marienbrunnen.

In St. Georg und Katharina sind die erwähnten Votivalien leider nicht mehr zu finden, auch nicht im sog. Kirchenmuseum von St.Oswald. Vermutlich verschwanden im Zuge der Innenraumsanierung 1971-75 nicht nur die Tafeln von gefallenen Kriegskameraden, sondern auch die silbernen Votivalien, wie das leider vielerorts nach dem II. Vatikanum üblich war. Die beiden Seitenaltäre aus Holz befinden sich seitdem im Sparzer Kircherl. Gemäß der Aussage einer älteren Dame aus Traundorf war das Kirchengestühl Anfang 1971 noch vorhanden, aber sowohl der Gnadenaltar mit Madonna, als auch der Kirchenraum in einem vernächlässigten Zustand.

pfeil

 

Zweite Abbildung

Folgende Postkarte konnte man 1916 erwerben und verschicken:

Motiv Traunsteiner Gnadenmadonna mit ihrem Gnadenaltar

 

Am 26. Juli 2008 wurde in dem Aufsatz "St. Georg und Katharina" (Autor Franz Haselbeck) in den Chiemgaublättern (leider nicht online verfügbar) erstmals folgende Abbildung veröffentlicht. Sie war uns bis dahin nicht bekannt und wurde uns auch im Rahmen unserer Recherchen über das Gnadenbild nicht bekannt gemacht.

Im Stadtarchiv Traunstein eingeordnet unter: Alte Postkarte, datiert 1916, Postkartensammlung/Nachlass Büttner

 

Alte Postkarte 1916 rechts die Madonna mit Kind und links der Kirchenraum des Gnadenkirchleins

 

Rechter Teil der Postkarte, Gnadenbild: Das vermutlich in den 60iger/70iger Jahren des 20. Jahrhunderts beschädigte Gesicht der Madonna war also 1916 noch in sehr gutem Zustand, ebenso das schöne Kleid - vermutlich aus Seide -, das aber leider verschollen ist. Die beiden Kronen und das Zepter aus massivem Messing wurden jüngst restauriert. Der Reichsapfel als Herrschaftszeichen in der Hand des Jesuskindls kam wohl abhanden, denn er wurde durch einen selbstgebastelten aus bemaltem Styropor ersetzt, der wiederum im Zuge der Restaurierung ersetzt wurde. Die Echthaarperücken von Mutter und Kind sind auf der Postkarte noch im Originalzustand; sie wurden später mindestens um 10 cm gekürzt und mittlerweile durch neue Perücken ersetzt. Der große Rosenkranz - vermutlich aus Holzperlen - und das Skapulier, welche am linken Arm des Gnadenbildes hängen, gehörten früher ganz selbstverständlich zur Marienverehrung dazu; beide Zugaben sind verschollen.

Linker Teil der Postkarte, Kirchenraum: Die geschnitzten und gefassten Maibuschen, der geschnitzte Strahlenkranz und die Kerzenanordnung in der Altarnische sind erkennbar. Derart war noch die Gestaltung vor der jüngst erfolgten Restaurierung der Altarnische. Das Kleid könnte das neue blau-weiße Gewand sein von dem in der Oberbayerische Zeitung die Rede ist sh. Festkleider. Liegt es an der schlechten Belichtung oder ist das Gesicht der Madonna rußgeschwärzt?! Denn infolge des rußgeschwärzten Gesichtes erfolgte in den 60iger oder 70iger Jahren eine unglückliche Reinigung, bei der die linke Gesichtshälfte beschädigt wurde.

In dem Beitrag Festkleider zeigen und beschreiben wir die wenigen Fotos der Gewänder und Mäntelchen des früher noch hoch verehrten Traunsteiner Gnadenbildes.

pfeil

 

 Dritte Abbildung

Kriegsgedenkfahne

Anfang Mai 2010 wurde uns u.a. ein Zeitungsbericht in der Oberbayerische Landeszeitung vom 9. August 1917 zugänglich gemacht, der aus dem Stadtarchiv bzw. u.a. aus dem Nachlass Büttner (Nr. 24) stammt. Laut dem Zeitungsbericht wurde noch in der Kriegszeit (1914-17) die Kriegsgedenkfahne angeschafft, deren Motiv das hoch geschätzte und verehrte Gnadenbild war. Die Fahne ist verschollen. Aus der Gottesackerkirche wurde 1922 die Kriegsgedächtniskirche. Die Traunsteiner Madonna wurde in Kriegszeiten als Friedensmadonna, Friedensstifterin, Friedensbringerin sehr verehrt.

 

Kriegergedenkfahne von 1917 mit der Traunsteiner Madonna als Mittelpunkt

 

Ausschnitt aus der Kriegergedenkfahne zeigt das Traunsteiner StadtwappenLinks der Ausschnitt aus der Fahne zeigt das Traunsteiner Stadtwappen mit den zwei goldgelben Hellebarden auf schwarzem Hintergrund und den drei grünen Hügeln. Glücklicherweise wurde die Kriegsgedenkfahne mit der Traunsteiner Madonna fotografisch dokumentiert, sodass man sich - trotz Entsorgung der Fahne vermutlich in den 60er/70er-Jahren - heute noch daran erfreuen kann. Mit Klick auf Zeitungsbericht können Sie den kurzen Artikel durchlesen.

Natürlich handelt sich bei der Fahne nicht um ein explizites Wallfahrtsutensil, wiewohl sie doch Zeugnis abgibt für die sehr große Verehrung des Gnadenbildes, denn die meisten Wallfahrtsmadonnen besitzen ihre eigene Fahne, die bei Prozessionen mitgeführt wird. In den Kriegsjahren suchten sicherlich viele Mütter, Ehefrauen und Schwestern Zuflucht bei der Friedensmadonna und pilgerten zu ihr hin in das Gnadenkirchlein, um für die Söhne, Ehemänner und Brüder zu beten.

pfeil

 

Vierte und fünfte Abbildung

Holzschnitt von vor 1823

und ein Kupferstich - undatiert

 

Abbildung links  Im Halbband 2 des Buches Denkmäler in Bayern, Landkreis Traunstein von Kießling/Reimann findet man auf Seite 1041 die Abbildung eines Holzschnittes von vor 1823. Zwar lautet die Bildunterschrift St. Georg und Katharina; Kupferstich um 1820, aber tatsächlich war das Kirchlein damals Gottesackerkirche und angesichts des Spitzturmes muss die Darstellung nach 1824 geschaffen worden sein, nachdem das Zwiebeltürmchen durch Blitzschlag anno 1823 zerstört wurde. Dass es sich bei der Abbildung vermutlich um einen Holzschnitt, statt um einen Kupferstich handelt, darauf lassen mehrere dunkle Punkte, also Löcher, schließen, die nur bei Holzschnitten auftauchen. Laut Fotoquellenangabe im Buch sollte sich dieser Holzschnitt im Archiv des Landratsamtes Traunstein befinden: Ist aber verschollen; nicht auffindbar.
Hier wieder absolut typische Darstellung einer Wallfahrtsmadonna, nämlich über ihrem oder einem beliebigen anderen Kirchlein schwebend.


Holzschnitt Madonna über der Gottesackerkirche schwebendKupferstich Madonna über der Gottesackerkirche schwebend

 

Die Abbildung rechts ist vom Motiv her identisch mit der linken Abbildung, aber es fehlen die dunklen Flecken/Löcher wie links und auch wegen der feineren Linien handelt es sich rechts wohl um einen Kupferstich. Dieser befindet sich im Besitz eines Traunsteiner Privatiers und wurde leider erst Anfang 2016 zugänglich gemacht; aber immerhin...

Der Text im Kupferstich lautet:

Abbildung des Gnadenvollen Marien Bildes in der
Gottesackerkirche zu Traunstein in Oberbayern, wel
ches ano 1704 da die Stadt und Kirche abgebrant
wurde in Feuer unverzehrt verblieben ist

Dieses Motiv plus Text verwendeten wird zur Anfertigung eines Plakates, das mittlerweile im gesamten Stadtgebiet in Geschäften, Auslagen, Restaurants, Cafés, im Heimathaus etc. hängt. Zum 65. Priesterjubiläum Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI., papa emeritus, überreichte ein Traunsteiner Gebirgschütze dieses - schön verpackte - Plakat an den bekennenden Traunsteiner Josef Ratzinger. (Bildrechte © L'OSSERVATORE ROMANO). Auf diesem Wege ist die Madonna aus der Vaterstadt Seiner Heiligkeit nun auch im Vatikan bei ihrem Verehrer im Kloster Mater Ecclesiae "gelandet".

pfeil

 

Sechste Abbildung

Die Zunfttruhe der Bäcker

Ist das die Traunsteiner Madonna?

 

Im Traunsteiner Heimathaus befindet sich eine kleine Zunfttruhe  der Bäcker von 1697, auf deren Deckelinnenseite eine Madonna im Strahlenkranz aufgemalt ist. Ob es sich hierbei um die Traunsteiner Madonna handelt, die bis 1704 am Bäckeraltar in St. Oswald ihren Platz inne hatte, ist lediglich eine Arbeitshypothese, die auf der nachgewiesenen Verbindung der Bäckerszunft mit dem Gnadenbilde basiert. Die Darstellung hier unterscheidet sich deutlich in einigen Punkten wie z.B. der Haltung, der Platzierung des Kindes, beide Arme umfassen das Kind, ein Knie wölbt das Kleid; die Madonna blickt nicht nach unten, sondern auf den Betrachter. Wir zeigen die Abbildung hier eben nur unter dem Vorbehalt, dass hier noch weitere Recherchen stattfinden müssen.

 

Zunfttruhe der Bäcker im Heimatmuseum Traunstein; farbige Abbildung des Gnadenbildes auf der Innenseite des Truhedeckels

Bei der Recherche stießen wir auf folgende Info, aber leider keine Notiz zur Quelle vorhanden: Erst nach dem Stadtbrand von 1704 wurde das Gnadenbild bekleidet, obwohl es nur einige wenige, sehr kleine Brandflecken aufwies. Da die Zunfttruhe von vor dem Stadtbrand datiert ist, sehen wir -falls tatsächlich die Gnadenmadonna abgebildet ist - das Gnadenbild hier ohne Kleid. Aber auf Fotos von Restauratorin Mühlbauer sieht die Schnitzfigur doch leicht abweichend zu dieser Abbildung aus. Wie gesagt: Hier muss noch weiter geforscht werden.

pfeil

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